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22. Juli 2019

 


Unfall trübt ADAC Eifel Rallye Festival 2019

Die Rallyemeile in Daun

Kein Auftakt nach Maß: Unfall beim Shakedown, Weltreise durch die Vulkaneifel, Klassentreffen des historischen Rallyesports, Mitfahrten für guten Zweck versteigert.

Das ADAC Eifel Rallye Festival (18.-20. Juli 2019) war noch gar nicht so richtig gestartet, da stand allen Beteiligten der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Beim Shakedown kam eines der ersten Fahrzeuge auf einer Gerade nach rechts von der Strecke ab und verletzte dabei sechs Zuschauer, die sich ordnungsgemäß in dem dafür vorgesehenen Bereich befanden. Unter den weiteren Zuschauern befanden sich zwei Ärzte und mehrere Rettungssanitäter, sodass sofort Hilfe geleistet werden konnte. Die Rettungskräfte des Veranstalters und weitere herbeigerufene Kräfte waren in wenigen Minuten an der Unfallstelle. Ein Notfallseelsorger war ebenfalls vor Ort und betreute die anwesenden Fans.

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, eine der beiden schwerverletzten Personen mit dem Hubschrauber. Die vier Leichtverletzten konnten das Krankenhaus nach ambulanten Behandlungen sofort wieder verlassen, die beiden Schwerverletzten wurden operiert und sind nach Auskunft der Ärzte stabil.

«Das war ein Schock für alle hier beim Festival, für uns als Organisatoren aber auch für alle Fahrer und Fans», sagt Otmar Anschütz (Daun), Organisationsleiter und Vorsitzender des veranstaltenden MSC Daun. Das Eifel Rallye Festival besteht ausschließlich aus Demonstrationsfahrten historischer Rallyefahrzeuge auf abgesperrten und abgesicherten Strecken. «Obwohl es bei uns keine Zeitwertung gibt, werden die Sicherungen der Strecke und für die Zuschauer nach internationalem Standard so durchgeführt, als würde hier auf Bestzeit gefahren», erläutert Anschütz.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Behörden war dies ein tragischer Unglücksfall, der nicht vorhersehbar war. «Nach Abwägung aller Aspekte haben wir uns entschieden, unser Festival weiter durchzuführen, auch die beteiligen Behörden haben sich dafür ausgesprochen. Am wichtigsten aber ist, dass alle Verletzten schnellstmöglich wieder gesund werden. Das ist der Wunsch von uns Organisatoren, wir sprechen da auch im Namen der Teams und der zahlreichen Fans», so Anschütz.

Klassentreffen des historischen Rallyesports

Trotz gedämpfter Stimmung zum Auftakt wurde das Eifel Rallye Festival dennoch zu einem vollen Erfolg. Mehrere zehntausend Fans gaben dem ‚Klassentreffen des historischen Rallyesports' den passenden Rahmen. Die Rallye-Meile in Daun platzte in diesem Jahr erneut aus allen Nähten, auch auf den Prüfungen war es voll. Vor dem Start sagte ein Fan treffend: «Es wird Zeit, dass es los geht, ich habe schon eine Gänsehautentzündung.»

Erwin Weber, der Europameister von 1992, kam erstmals zum Festival und sagte: «Hier ist alles perfekt organisiert, es macht unendlichen Spaß, vor den vielen Zuschauern zu fahren. An manchen Stellen ist der ganze Hang voll mit Fans.» Ähnlich äußerte sich Jochi Kleint, Europameister von 1979: «Ich nehme viele positive Eindrücke von hier mit, es sind so viele Zuschauer unterwegs, die Begeisterung für den Rallyesport ist einfach fantastisch.» Die früheren Weltmeister Timo Salonen und Stig Blomqvist erfreuten die Fans nicht nur mit ihren Fahrkünsten, sie gaben beim kurzweiligen Welcome-Abend mit den bewegten und bewegenden Bildern von Kultfilmer Helmut Deimel auch einige Anekdoten aus ihrer langen Laufbahn preis.

Begeisterung für die Veranstaltung, aber auch einige Frustration über die eigene Leistung trieben Co-Pilot Nicky Grist um. Der 21-fache WM-Lauf-Sieger übernahm erstmals selbst das Steuer einer Toyota Celica aus seiner WM-Zeit. «Es ist schon ein wenig enttäuschend, wenn du so lange an der Seite von schnellen Fahrern unterwegs warst, jetzt selbst ins Lenkrad greifst und deutlich langsamer unterwegs bist. Aber das ist mein eigenes Auto und ich möchte es heil ins Ziel bringen.»

Sieger auch ohne Bestzeiten

Obwohl es beim Eifel Rallye Festival nicht um Bestzeiten geht, gab es beim Finale zur großen Rallye-Party am Samstagabend strahlende Gesichter. Sechs Preise, jeweils wunderschöne Modellauto-Dioramen als Spezialanfertigungen von ‚Bernd's Rallye Miniatures', wurden überreicht. Den ‚Sideways Star' als ‚quertreibendser' Vorauswagen erhielten wie im Vorjahr Marcel Baldauf / Silke di Clemente im BMW 325, diesmal überreicht von Niki Schelle. Den Preis ‚Best replication', für den besten Nachbau erhielten die Neuseeländer Ross Clarke / Barry Varcoe für ihren Toyota Celica Turbo aus den Händen von Timo Salonen.

Nicky Grist überreichte an Andreas Bayer und Inka Lerch den Preis ‚Best original' für das beste Originalfahrzeug für ihren Mercedes-Benz 280 E. Besonders strahlende Gesichter gab es bei Wilco und Mart Hubens aus den Niederlanden. Von den anwesenden Rallye-Stars wurde ihr Subaru Legacy RS Turbo ausgewählt und sie erhielten von Matthias Kahle den Preis für die ‚Champion's Choice'.

Der ‚Special Price' wurde gleich zweimal vergeben. Den ersten erhielten Claus und Sabine Aulenbacher aus den Händen von Erwin Weber. Sie hatten einen durch Brand komplett zerstörten Lancia Stratos wieder originalgetreu aufgebaut. Isolde Holderied überreichte den zweiten Sonderpreis an Peter und Patrick Berghaus. Das Vater-Sohn-Duo ist nun zum 20. Mal hintereinander bei den Rallyes des MSC Daun am Start.

Mitfahrten erbrachten 3.348 Euro für einen guten Zweck.

Es ist schon Tradition beim Eifel Rallye Festival, dass Mitfahrten für einen guten Zweck versteigert werden. Die Beifahrerplätze in den Autos von Wolf-Dieter Ihle und Niki Schelle ergaben einen Gesamterlös von 3.348 Euro. Davon gingen 2.237 Euro an die Stiftung KinderHerz, für die Steven Körner den Scheck dankend entgegennahm. Mit 1.111 Euro unterstützt der Veranstalter den Lions Club in Daun bei dessen Weihnachts-Paketaktion. Stellvertretend für den Vorstand bedankten sich Manfred Stumps und Dr. Volkhard Bangert bei der Scheckübergabe.

Am Rande notiert :: Festival-News

Neue Geschichten: Timo Salonen und die Argentinien-Rallye 1981

Beim Welcome-Abend entlockte Moderator Markus Stier seinen Gästen bislang unbekannte, spannende Storys. Salonen musste seinen Datsun bei der Argentinien-Rallye 1981 in der letzten WP abstellen. Nach der Info ans Team hieß es, sein Co und er würden bald abgeholt. Da sich die Abholaktion hinzog und Hunger und Durst quälten, setzten sie sich mit Anwohnern in der Nähe in Verbindung. Im Tausch gegen die schicken Datsun Teamjacken gab es Essen und Trinken, passenderweise Wein. Die einbrechende Dunkelheit brachte Kälte mit, das wartende Datsun-Duo zündete den Ersatzreifen an, um sich am Feuer zu wärmen. Nachdem auch die vier am Auto befindlichen Reifen als Wärmequelle ausgedient hatten, enterten sie einen vorbeifahrenden Pickup, der allerdings in die falsche Richtung unterwegs war. Nach einigen Stunden Fahrt organisierten sie sich in der nächsten größeren Siedlung ein Taxi, das sie zurück in den Zielort nach Tucuman brachte. Sie trafen gegen 09.00 Uhr im Hotel ein. Das Team saß fröhlich beim Frühstück, feierte die Gesamtränge zwei und drei und hatte Salonen samt Co und Auto glatt vergessen.

Schweigepflicht: Harald Demuth und die Entstehung der Quattro-Ära

Beim Eifel Rallye Festival feierte Harald Demuth ein Wiedersehen mit jenem Audi 80 GLE, mit dem er 1979 beim WM-Lauf in Portugal die ersten WM-Punkte in der Geschichte von Audi eingefahren hatte. Gleichzeitig war der zweifache Deutsche Rallyemeister damals auch in die Entwicklung der Quattros eingebunden. «Es war zum verrückt werden. Unter der Woche testeten wir den 80-er Prototypen mit Allradantrieb und Turbomotor und lernten diese neue Dimension des Rallyesports immer besser kennen. Am Wochenende fuhren wir die Veranstaltungen im Audi 80 GLE mit mageren 165 Pferdestärken und Frontantrieb - ich dachte immer, da schlafen mir gleich die Füße ein», schmunzelt der Bayer und ergänzte: «Das Schlimmste daran war, wir durften niemandem davon erzählen, was wir da so entwickelten und wie toll das war.» Zwei Jahre dauerte diese Phase für Demuth, am Ende stand der Beginn einer neuen Ära im Rallyesport.

Co-Pilot am Limit: Luis Moya lotst Stig Blomqvist in die Irre

Für den früheren WM-Piloten Louis Moya (Weltmeister 1990 und 1992 an der Seite von Carlos Sainz) ging in Daun ein Traum in Erfüllung. Er durfte sich für eine Prüfung an die Seite seines früheren Idols Stig Blomqvist (Weltmeister 1984) in den Ford Sierra WRC setzen. «Es war wie immer: Professionell vorbereitet schlug ich das Bordbuch auf und lotste Stig zur Prüfung. Dabei hatte ich aber übersehen, dass es zur zweiten und nicht zur ersten Prüfung gehen sollte», bekannte der Spanier später. Seine Qualität konnte er dennoch beweisen - er fand problemlos den Weg vom Start der ersten zum Start der zweiten Prüfung. Begeistert ist er über den Fahrstil seines Chauffeurs: «Der Stig ist immer noch unheimlich schnell unterwegs und lenkt wirklich nur zum Einparken. Alle anderen Richtungsänderungen steuert er mit dem Auto mit ganz geringen Bewegungen am Lenkrad.»

Neue Co-Pilotin für Isolde Holderied

Der Plan war perfekt: Isolde ‚Isi' Holderied und ihre Copilotin Catherine Francois sollten genau jenen Toyota Corolla WRC pilotieren, mit dem sie 1999 bei der Rallye Monte Carlo den Damenpokal gewannen. Familie Geipel, die Besitzer des Fahrzeuges, hatten die Corolla wieder in den Zustand gebracht, wie sie vor 20 Jahren am Start in Monte-Carlo stand. «Das war schon ein geniales Gefühl anschließend zur Siegerehrung vor den Palast zu fahren und vom Fürsten den Pokal überreicht zu bekommen. Neben dem Gesamtsieger und dem besten Privatier hat er das nur noch für den Damenpokal gemacht»,erläutert die zweifache Damen-Weltmeisterin. Kurz vor dem Festival musste Francois absagen, als Ersatz stand Tanja Neidhöfer parat. «Das war eine perfekte Lösung, schließlich bin ich mit Tanja bei der Deutschland 2001 meine letzte Rallye in Wertung gefahren», sagt die Toyota Markenbotschafterin.

Neue Erkenntnisse: Kalle Grundel als Vorbild von Matthias Kahle

Kalle Grundel gewann 1985 im Peugeot 205 T16 den Titel in der Deutschen Rallye-Meisterschaft. Ab 1988 musste er anstelle des Gruppe-B-Boliden in den Gruppe-A-Peugeot 309 GTI umsteigen. «Mit so wenig Leistung und nur einer angetriebenen Achse, das war echt frustrierend. Da habe ich halt versucht, zumindest für die Zuschauer spektakulär zu fahren», verrät er in Daun. Sein Sieg im 309 bei der Sachsenring-Rallye 1989 in Zwickau hatte ungeahnte Folgen. In Daun stand mit dem Schweden Matthias Kahle, der siebenmalige deutsche Rekordmeister, auf der Bühne. Der erklärte, «als 20jähriger sah ich im Fernsehen, wie Kalle die gesamte DDR-Elite im 309 ganz schön alt aussehen ließ. Da reifte in mir der dringende Wunsch, Rallyefahrer zu werden, um mal genau so gut wie dieser Grundel fahren zu können.»

Gesucht wird das schönste Foto

Der Fotowettbewerb für die Fans bringt jedes Jahr unzählige und vor allem faszinierende Bilder ans Tageslicht. Zudem winken den Siegern attraktive Preise. Alle Infos dazu unter:
https://www.eifel-rallye-festival.de/de/Fotowettbewerb.html.

Journalisten: Großer Andrang aus 22 Nationen

Drei TV-Sender, zwei Radiostationen und darüber hinaus viele Vertreter der schreibenden und fotografierenden Zunft berichteten vom Eifel Rallye Festival. Insgesamt 99 Journalisten aus 22 Nationen tragen ihre Eindrücke aus der Vulkaneifel ‚Around the World' hinaus. Die weiteste Anreise hatte dabei ein Fotograf aus Australien

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